
Online-Design-Discounter á la MyHammer sind nicht meins -Design for free oder besser: Design vom virtuellen Grabbeltisch. Style für alle! – lautet die Marktingparole von einer Internetplattform, auf der Designer anschaffen gehen sich anbieten können.
Noch besser gefällt mir das Marketing von designenlassen:
»Ob Logo, Visitenkarte, Flyer, Webseite, Werbebanner… Stellen Sie jetzt Ihr Projekt ein und bewerten Sie bereits nach wenigen Stunden die ersten Designvorschläge.«
Ich beobachte Plattformen der Kategorie Design-Grabbeltisch schon seit längerer Zeit und ich distanziere mich als professioneller Designer von solchen. Was ich nur nicht begreife ist, warum macht man da mit!? Liebe Hobby-Designer da draußen: Ist DAS euer Ernst!?.
Designer aus Leidenschaft
Habt ihr schon mal kalkuliert? Schon mal eure Kosten in Relation zum Gewinn gesetzt? Schon mal daran gedacht, dass ihr nicht immer fünfundzwanzig Jahre jung bleibt? Familie? Altersfürsorge?
Wohnt ihr mit 23 Menschen in einem 9,8 qm WG-Zimmer in Prenzlberg, der Strom ist illegal abgezapft und das Bafög sorgt für Wasser & Brot? Sonntags ist Gönner-Tag und man freut sich auf 2g Butter mit über dem Feuer selbstgekochter Marmelade aus Früchten aus Muttis Garten?
Die Studiengebühren zahlt ihr mit Zeitungen austragen von morgens 4:02-9:28 Uhr und dann gehts ab in die Uni, damit ihr dort anstatt der Vorlesung in Ruhe das Computerstudio nutzen könnt, um Aufträge dieser Art zu klicken?
Ist Design so viel Leidenschaft wert? Ist es der Traumjob Designer?
Konzepte der Design-Plattformen?
12designer schreibt dazu:
12designer bietet Auftraggebern und Designern ein innovatives Portal zur Durchführung von Kreativ-Projekten als Wettbewerb. Das bringt kreative Vielfalt zu einem guten Preis. 12designer ist schlank: Ohne langwierige Prozesse und einen kostspieligen Apparat werden Designaufgaben in kurzer Zeit gelöst.
Die Plattformen sprechen auf deren Websites meist direkt den Auftraggeber an. designenlassen schreibt dazu:
Ihre Vorteile
- Sie wählen aus zahlreichen Vorschlägen das Design, das Ihnen wirklich gefällt, anstatt sich auf eine begrenzte Auswahl einer herkömmlichen Agentur zu limitieren
- Sie erhalten alle Nutzungsrechte – räumlich und zeitlich unbefristet und für alle Medien
- Klarheit über die Kosten – Sie bestimmen im Vorfeld was Sie bereit sind zu bezahlen
So wechseln dort Logos, Illustrationen, Visitenkarten, Briefpapiere etc. für 100 -300 Eur ihren Besitzer. Klar im Vorteil ist dabei nur der Verwerter, bzw. der Auftraggeber. Ich möchte meinen, dass nicht einmal Prostituierte für diesen Stundenlohn anschaffen gehen und geschweige denn ihre Leistung anbieten. Ihr Designdummerchen …
Die Konzepte der Design-Plattformen sind gut, denn auf eins ist nämlich Verlass: Designer haben meist nichts zu melden und kuschen brav, bzw. sind auf der Jagd nach Aufträgen, auch wenn diese die eigene Pleite letztendlich nur verzögern … Wir machen das ja aus Leidenschaft und nicht des Geldes wegen.

Designer … Design?
Da ist es wieder das Wort Design und der Designer. Kaum ein Auftraggeber kennt seine Arbeit und kaum ein Designer hat das Selbstbewusstsein seinen Preis zu stehen. Für mich schlagen solche Plattformen genau in diese Kerbe. Ich kann es ihnen nicht verübeln, denn der Markt der Umsetzer und HobbyDesigner ist RIESIG und ihr Selbstbewusstsein Preis oft winzig.
Wer seiner Leidenschaft als Designer nur halbwegs nachgeht und die Erfüllung in seinem Job sucht, der wird immer einen Bogen um solch eine Plattform machen. Wer sich einen Kundenstamm über solche Plattformen aufbaut und sein Können für diese Preise anbietet, der wird aus meiner Sicht keinen Erfolg, keinen Spaß und höchstens Anerkennung erlangen – Ruhm & Ehre.
Es gibt endlos viele Informationen und Hilfestellungen von Verbänden, Blogs und Websites und Portalen, die euch zeigen wie es läuft. Wer schon im Studium auf die falsche Bahn gerät, der wird es verdammt schwer haben, denn er ist täglich 10-12 Stunden damit beschäftigt auf seine Pleite hinzuarbeiten.
Ich kann euch nur empfehlen einen realistischen und persönlichen Stundenpreis zu errechnen und die Finger von diesen Grabbeltisch-Plattformen und solchen Aufträgen zu lassen, wenn die Bedingungen nicht stimmen!
Vorteile für den Auftraggeber?
Ich kann es den Geschäftleuten da draußen nicht verübeln, dass sie eine wichtige Dienstleistung natürlich auch gern geschenkt bekommen, bzw. dem Designknecht nur das nötige Brot und Wasser zum überleben bezahlen, wenn er sich dafür prostituiert. Die Kunden sind nicht immer die Bösen – im Gegenteil!
Fast jeder würde es genauso machen … es kommt auf den Blickwinkel drauf an. Geiz ist halt nicht immer geil … in diesem Fall zumindest nicht aus Sicht des Designers. Jeder bekommt das, was er wert ist …
Stellt euch mal vor: Designplattformen suchen Designer und keiner geht hin ;-) Ich bin mal gespannt was ihr für eine Meinung zu der Sache habt!? Hat jemand positive Erfahrungen gemacht? Gibt es Gründe sich für so wenig Geld auf den Geizmarkt zu schmeißen? Vielleicht sehe ich sie nur nicht …
Schreibt gern auch einen Artikel auf eurem eigenen Blog und postet hier den Link in den Kommentaren, bzw. schickt einen Trackback. Ich finde das Thema sehr spannend und bin auf eure Meinungen gespannt!
Damit ihr euch ein Bild machen könnt worüber ich hier schreibe: Einige Beispiele für Plattformen, die mit der Dienstleistung »Design« im Format 2.0 experimentieren:
- designenlassen.de
- jovoto.de
- trawlix.de
- criggle.de
- 12designer.com

